Verständigung auf „Multi-Kulti“
| Deutschland - G. Lachmann |
Eine wahre Geschichte von Günter Lachmann
6. Februar 2010 - Ich bin ein echter Deutscher, dem jeder auch ohne Kennkarte ansieht, aus welchem Heimatland er stammt. Aber auch ein solches Rüstzeug schützt nicht vor Zahnschmerzen, die mich im Auto mitten auf der Kreuzung einer deutschen Großstadt überfielen. So waren der Gedanke an die wirksame Schmerztablette und die Suche nach einer Apotheke rasch dominierend. Die Apotheke raste mir förmlich entgegen, gleich als ich rechts in die nächste Straße einbog. Minuten später schon trat ich hoffnungsvoll durch deren ansprechende Eingangstür.
Ein weiblicher, blonder Kittel bediente eine Kundin und hatte keine Zeit für mich. Eine weitere Apothekerin aber stürmte sofort hilfreich aus dem Hinterzimmer. Sie trug nicht nur zu meiner Verwunderung bei, sondern auch ein ebenso bewunderungswürdiges Kopftuch, eines von besonders auffallender Form, wie man es kaum in den deutschen Straßen sieht. Gleichwohl entlarvte dieses gepflegte und obendrein gediegene Kopftuch seine hübsche Trägerin als eine echte Mitbürgerin. Keine deutsche freilich, sondern eine typisch ausländische. Welche deutsche Apothekerin trägt heute schon ein Kopftuch bei der Arbeit?! Das hat noch etwas Zeit. Gut Ding will Weile haben!
Die hübsche Kopftuchträgerin fragte mich lächelnd mit bezauberndem Augenaufschlag: „Biehte säähr?“ Besorgt ob sie mich überhaupt verstünde, brachte ich, langsam und wohlüberlegt in der Wortwahl, mein Anliegen vor. „Muuhs ich äährst fragän Chef“, war ihre Reaktion. „Mommähnt biehte.“
Chef aber war jene blonde Weißkittelfrau, die noch immer die gleiche Kundin bediente. Eine Negerin. Nee, nee, „Neger“ ist heutzutage ja völlig „out“. So jedenfalls will es der bundesdeutsche Staat und er verhängt mitunter hohe Strafen wegen Beleidigung, da es mit der oft zitierten Meinungsfreiheit gar nicht so weit her ist, wie mancher „mündige“ Bürger glaubt.
Diese „farbige Afrikanerin“ - so klingt es schon besser - also gestikulierte wild vor dem Tresen herum. Ihre Haut war schwarz, aber nicht pechschwarz, nein, das Pech allein war auf meiner Seite, da sich diese Farbige nicht so rasch entscheiden konnte, wie es mir lieb gewesen wäre. Meine Schmerzen nämlich steigerten sich rasend und hatten mich bereits an den Rand des Wahnsinns gebracht. Irgendwann aber ließ die schwarze Dame durch Handzeichen ihre Wünsche ahnen: Eine Packung Tabletten und ein Fläschchen Tinktur schön verpackt, als Geschenk, wie es den Anschein hatte. Ob sie auch ein kleines Tütchen ihr eigen nennen wollte blieb offen, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig war und auf die konkrete Frage der weißen Chefin sowohl kopfschüttelnd verneinend, als auch kopfnickend bejahend reagierte.
Die Apotheke hatte sich inzwischen mit einer ganzen Reihe anderer Mitbürger von unterschiedlicher Hautfarbe gefüllt. Die finsteren Blicke dieser Leute waren starr auf mich gerichtet, da ich ja als einziger Deutscher hier im Raum meine helle Haut zu Markte trug und ihnen sichtlich fremd erschien. Hatten diese Fremden, diese Ausländer, vielleicht nicht mit einem deutschen Mitbürger in einer deutschen Apotheke gerechnet? Oder war ich hier etwa in einem Ghetto - - - nein, dreimal nein, in einem Stadtteil gelandet, der von unseren ausländischen Mitbürgern besonders stark frequentiert war? Dann freilich wäre mein Erscheinen hier tatsächlich auffällig gewesen. Als schmerz gepeinigter Fremdling zwischen all den bunten Freunden des BRD-Schlaraffenlandes vermittelte ich hier sicher keinen fröhlichen Eindruck. Aber ich wollte lediglich meine Schmerztabletten möglichst rasch, nichts weiter..............
Die farbige Kundin hatte sich zu keinem weiteren Kauf durchringen können, doch die weiß bekittelte Dame beriet sie weiterhin freundlich mit Händen und Füßen, strahlend leuchtenden Augen und bemerkenswerter Ausdauer. Genauso, wie es sich für einen gut erzogenen Bundesbürger, der sich noch seines Arbeitsplatzes erfreuen darf, gehört.
Zwei weitere Apothekerinnen mit gleichen hübschen Kopftüchern waren inzwischen aus dem hinteren Raum erschienen und bedienten nun die nach mir eingetretenen Kunden. „So ist es richtig“, flötete es trotz meiner Schmerzen in meinem Hirn, „unsere ausländischen Mitbürger müssen rasch und gut bedient werden, denn die BRD bietet ihnen ja sonst nichts“.
Die Verständigung zwischen den ausländischen Apothekerinnen und ihren Kunden klappte vorzüglich. Nur ich freilich verstand kein einziges Wort. Selbst Schuld, dachte ich bedauernd, weshalb habe ich auch nicht vier oder fünf Fremdsprachen erlernt? Wer sich gern viele Fremde in sein Land holt, sollte auch deren Sprachen beherrschen, sonst ist es kein Wunder, daß unsere ausländischen Mitbürger einen schlechten Eindruck von uns Deutschen bekommen. In dieser Beziehung wäre in der OMF-BRD noch einiges nachzuholen. So gebieten es jedenfalls die Höflichkeit und der Respekt Ausländern gegenüber.
Aber haben wir Deutschen nicht mit unserer Muttersprache genug zu tun? Muttersprache? Ist sie nicht längst ausgestorben? Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man die Deutschen in ihrer eigenen Sprache reden hört. Diese Sprache mit ihren unzähligen, sich ständig mehrenden Anglizismen samt ihrer Rechtschreibreform verändert sich laufend und wen wundert es, daß die ältere Generation die neue nicht mehr versteht. Vom Lesen und Schreiben ganz zu schweigen. Aber es ist gut durchdacht vom bundesdeutschen Gesetzgeber, denn nur so können unsere ausländischen Mitbürger sich rasch unserer Sprache bedienen. Nun, – hallo – unsere Sprache - echt – ist inzwischen total „easy“ geworden und der Tag nicht fern, an welchem Vokabel wie „high“, „cool“, „king“ und „super“ locker genügen, sich in der deutschen Sprache, der Sprache der Dichter und Denker, auszudrücken. Welch ein enormer Fortschritt! „Take it easy“, das ist „multi-kulti“ pur, das ist megageil! Nur Geduld, wenn Oma und Opa erst gestorben sind, wird es keine Probleme mehr mit der deutschen Sprache geben! Niemand wird sie dann mehr verfälschen............
Die deutsche Apotheken-Chefin verwarf meine Gedanken. Sie stand plötzlich vor mir und ihre schmalen Lippen formten ein fragendes leises und angenehm akzentfreies „bitte sehr?“. Ich spürte deutlich ihre Erleichterung, daß sie bei mir völlig ohne Handzeichen auskam. „Geben Sie mir bitte eine große Schachtel Schmerztabletten gegen meine schrecklichen Zahnschmerzen“, sagte ich gequält freundlich.
Die deutsche Apothekerin brachte mir hilfsbereit sofort die Tabletten nebst einem Glas Wasser mit den Worten: „Nehmen Sie jetzt hier gleich zwei, das wird Ihnen sicher helfen!“ Es half tatsächlich.
Als ich endlich etwas erleichtert die Apotheke verließ, traf ich gleich vor der Tür auf vier
jugendliche Türken und eine farbige schwangere Afrikanerin nebst Mann und Kinderwagen. Die Türken gestikulierten wild und laut in ihrer eigenen Sprache und übersahen mich glatt, so daß ich mir mühevoll einen Weg durch den Pulk bahnen mußte, was mir recht drohende Blicke einbrachte. Von der Höflichkeit, etwas zur Seite zu gehen, um einen anderen Passanten vorbeigehen zu lassen, hatten sie offensichtlich noch nie etwas gehört. Die schwarze schwangere Frau hinter ihnen hielt ein schwarzes Kleinkind an der Hand und ihr großer schwarzer Mann trug ein weiteres farbiges Kind auf seinen starken Schultern. Es war am Vormittag eines sonnigen Tages. Hatten die jungen Türken möglicherweise versäumt, rechtzeitig zum Unterricht in der Schule zu erscheinen? Man weiß es nicht, jedenfalls zeigten sie keine Eile. Der starke Afrikaner war offenbar ohne Arbeit, denn das Paar strebte in Richtung des großen Gebäudes gegenüber mit der Aufschrift „Arbeitsamt“. Der Schwarze tat mir leid, doch dann tröstete mich etwas der Gedanke, daß es in Deutschland ja auch viele deutsche Arbeitslose gab und der „Bundesstaat“ auch diesen Deutschen im äußersten Notfall soziale Hilfe gewährt. Ein toller Staat, dachte ich höchst befriedigt und erinnerte mich an meine Nachbarin, die mir täglich in den Ohren liegt: „Schon seit 60 Jahren haben wir keinen Krieg mehr! Haben wir nicht eine tolle Regierung? Einen wirklich tollen Staat?“ Tja, diese Nachbarin. Irgend etwas mußte bei ihr nicht stimmen. ........
An der Ecke neben meinem Auto zählte ich jetzt genau zehn kleine Negerlein und dachte unwillkürlich an das hübsche deutsche Kinderlied, das viele Generationen früher als Kinder in den Schulen gesungen hatten. Es ist im Bundesland der Gutmenschen sicher noch immer nicht verboten. Oder doch? Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Mußte ich nun etwa vorsichtshalber schon singen: „Zehn kleine Farbige?“ Dann fielen mir die Zigeuner ein. Wie war das eigentlich mit ihnen? Die Bezeichnung „Zigeuner“ ist ja wohl auch verboten. Man hat sie in „fahrendes Volk“ geändert. Wird aber nicht noch heute in den Speisekarten renommierter Lokalitäten das „Zigeuner-Schnitzel“ angepriesen, oder ist es dort längst gestrichen? Muß ich bei meinem Lieblingsgericht tatsächlich umdisponieren und mir jetzt ein „Fahrendes-Volk-Schnitzel“ bestellen? Das schöne alte Volkslied: „Lustig ist das Zigeunerleben“ jedenfalls läßt sich nicht so einfach ändern, denn der neue Text, der dann lautete: „Lustig ist des fahrenden Volkes Leben“, paßt nicht mehr zur altbekannten Melodie. Ist dieses Lied bereits verboten und mit der guten alten deutschen Muttersprache untergegangen? Wer schafft eigentlich ignorant, aber gegen gute Bezahlung aus Steuerkassen solche undurchdachten Gesetze auf Kosten des alten deutschen Kulturgutes?
Nachdenklich bestieg ich mein Auto, fuhr los und befand mich sogleich auf einer Vorfahrtstraße. Die Ampel zeigte „grün“, doch ein dicker schwarzer Mercedes raste plötzlich rechts aus einer Seitenstraße heraus und nahm mir die Vorfahrt. Er war eindeutig bei „rot“ losgerast. Wäre ich nicht blitzartig hart in die Bremse gestiegen, hätte diese Fahrlässigkeit zu einem schweren Unfall geführt. Verärgert sah ich auf den Fahrer des Wagens, der kurz stehen geblieben war, und erkannte eine Frau mit Kopftuch hinter dem Steuer. Sie zeigte nicht etwa Reue, sondern mir statt dessen einen Vogel, sah mich herausfordernd an und hielt anschließend den berühmten Mittelfinger hoch. Na also, dachte ich, es klappt doch wunderbar mit der Verständigung durch Zeichensprache! Freilich, deutschen Bundesbürgern ist ein solch übles Benehmen streng verboten, doch bei ausländischen Mitbürgern muß man schon mal ein Auge zudrücken, schließlich haben diese Armen eine völlig andere Mentalität. Was sollen sie denn tun, wenn sie unsere schwere Sprache nicht sprechen?!
Leider fehlten mir die entsprechenden Handzeichen, der ausländischen Fahrerin des deutschen Mercedes freundlich klarzumachen, daß sie sich eindeutig im Unrecht befand. Aber wozu eigentlich sollte ich das tun? Schuldig sind doch ohnehin immer nur die Deutschen und wer es wagt, unseren ausländischen Mitbürgern Vorwürfe zu machen, könnte rasch zum „gefährlichen Volksverhetzer“ gestempelt oder gar „Im Namen des gemischten Volkes“ verurteilt werden. Wofür haben wir schließlich den in solchen Fällen bewährten Paragraphen 130! „Das ist auch gut so“, sagte ja schon wohlbereit ein namhafter schwuler Bürgermeister!
Was also konnte ich tun? Ich nahm mir vor, weiter an meiner neu reformierten deutschen Muttersprache zu arbeiten, summte leise das „Deutschlandlied“, diesen „Old-German-Song“, freilich vorerst noch in der alten deutschen Fassung und war froh, daß dieses Gesumme in meinem Auto kein ausländischer Mitbürger hörte. Wer weiß schon, zu was er mich angesichts dieses sensiblen deutschen Gesanges gestempelt hätte.
Am sichersten wäre es wohl für einen wirklich Deutschen, in der heutigen BRD in gar keiner Sprache mehr etwas zu sagen, auch nicht einmal zu singen, sondern einfach nur das Maul zu halten, stumm zu staunen, brav seine Steuer zu zahlen und der „Obrigkeit“ untertänigst zu dienen. Man verbrennt sich sonst zu rasch den Mund und kann ja heute in Deutschland als Deutscher nicht vorsichtig genug sein, in dieser hoch gepriesenen „demokratischen“ „freiheitlichsten“ deutschen Bundesrepublik...
Ende
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